Als Lehrerin nach China

Balin Youqi, den 21. Juli 2014

Es ist 7:30 Uhr morgens und Claudia, Brenda und ich gehen gemeinsam zur Schule. Der Spaziergang dauert nur ein paar Minuten und führt uns vorbei am Stadtmuseum und Marktplatz der Stadt. Claudia, sag nun, wie hast du’s mit China?

Mira-Kristin: Claudia, du bist Referendarin für Englisch und Chemie und nimmst dieses Jahr zum ersten Mal am Amity Summer English Program teil. Warum verbringst du deine Sommerferien als Freiwillige in China und gehst somit auch in deiner Freizeit jeden Tag in die Schule?

Auf dem Weg zur Schule

Claudia: (lacht) Ach, weil ich schon immer mal Asien und China kennenlernen wollte – und zwar aus einen nicht-touristischen Perspektive. Ich möchte in Kontakt mit den Leuten kommen und nicht nur ein Land kennenlernen.

Und außerdem finde ich es interessiert ein anderes Schulsystem zu erleben. Durch AFS und das Amity Summer English Program habe ich einen echten Einblick in das Schulsystem und den Schulalltag in Balin Youqi und China gewinnen können. Und ich habe viele chinesische Kollegen kennengelernt – das hat mich am meisten gefreut. Deshalb bin ich hier: ich möchte dabei sein und nicht nur da sein.

MK: Du hast also den Kontakt zu chinesischen Lehrern gesucht?

Claudia: Ja, das finde ich spannend. Ich möchte viele Eindrücke sammlen. Ich glaube, dass ich mich als Lehrerin durch diese Erfahrung weiterentwickeln kann und letztendlich auch meine Unterrichtsgestaltung davon profitiert.

MK: Was interessiert dich an Asien?

Claudia: Ich war viel in Südamerika und der Karibik unterwegs und möchte jetzt mal ein anderes Land kennenlernen.

MK: Hast du gezielt China im Sinn gehabt?

Claudia: Ganz ehrlich – eigentlich hat mich das Programm überzeugt. China war Zufall, auch wenn ich das Land schon immer interessant fand. Einen Lehreraustausch finde ich spannend. Und auch, dass ich durch meine Teilnahme tatsächlich einen Beitrag leisten kann, auch wenn das Programm nur ein paar Wochen dauert.

MK: Das Format ist also interessant für dich.

Claudia: Ja, klar. Ein vierwöchiges Programm passt gut in die Sommerferien. Länger ist zeitlich für mich nicht möglich, weil dann die Schule wieder beginnt. So kann ich trotzdem an einem Freiwilligendienst teilnehmen und diese Erfahrung machen.

MK: Was ist dein Eindruck von der Amity Foundation?

Claudia: Positiv, auf jeden Fall. Die Betreuer von Amity sind sehr freundlich, kompetent und ich fühle mich gut umsorgt. Alles ist super organisiert.

MK: Genau so wie beim Tischtennis…?

Claudia: (lacht) Ja, das kann ich gern erzählen! Ich spiele in Deutschland Tischtennis in der Bezirksklasse und es war mein großer Traum einmal in China gegen einen herausragenden Gegner zu fighten. Meine chinesischen Betreuer verbiegen sich regelrecht um mir das zu ermöglichen. Sie organisieren Tischtennisgegner für mich – sogar der Bürgermeister ist gegen mich angetreten. Ich hatte schon die krassesten und tollsten Matches mit wirklich herausragenden Gegnern und konnte dadurch viele interessante Leute kennenlernen – auch wenn wir nicht immer eine gemeisame Sprache hatten. Der Sport verbindet.

MK: Möchtest du eine abschließende Bemerkung an andere Interessierte richten?

Claudia: Das Amity Summer English Program kann ich auf jeden Fall empfehlen. Land, Leute und den Schulalltag in China selber kennenlernen – ich finde, das ist ein ziemlich cooles Erlebnis. Ich habe es bisher nicht bereut. Richtige Entscheidung!

MK: Danke für das Gespräch!

Schule

Unsere Schule in Balin Youqi

 

 

 

 

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Brenda, welcome back!

July 16th, 2014

Mira-Kristin: Hello Brenda! I really do enjoy our walks through the Mongolian steppe. We are enjoying the afternoon sun and feel a soft breeze in the air. I think this is the perfect time time to ask you some questions about your experience with the Amity Summer English Program (SEP) so far. Do you mind?

Brenda: No, not at all. I am all yours. So, what would you like to know?

The Mongolian steppe

MK: You are taking part in the Amity Summer English Program for the second time. What brings you back?

Brenda: Oh, it’s an easy way to come to China. As well as my personal circumstances allowed me to come this year. I would have come other years but I couldn’t. Also, it’s the chance to see a different part of China. Other people already joined the SEP 14 times already and seem to experience something new every time.

Also, it’s important to me that The Amity Foundation is not a mission arm of a western church but is an independent christian NGO founded by Chinese people. And they’ve been around since 1985. So they really know their business.

 MK: Let’s put it this way: You are a few years older than me. Do you feel this program meets your needs?

Brenda: Yes, I’d say so. I feel that this program is fit for early retirees or people who want to come to China in a comfortable and safe way.

 MK: Do you feel safe?

Brenda: Oh yes! The whole experience is far more cushy and safe than I expected. The Amity Foundation and our Chinese supervisors make everything very easy. This program is a wonderful chance for people who want to get to know China beyond the tourist sites, especially on a short term voluntary program like this. There aren’t too many opportunities like this.

MK: The SEP is a four-week short term program. Do you think the program is worth the trouble?

Brenda: Generally speaking, you – as a volunteer – are far more trouble than you are worth, if you don’t speak the local language. However, in this circumstance the language is the skill you bring. So you are not a big trouble, you contribute. At least you pay back by teaching.

MK: Are you a trained language teacher?

Brenda: No, I am not and it is not necessary. You are asked to teach English speaking and listening skills. For those who are not skilled teachers, The Amity Foundation provides wonderful teaching tools and all teaching structure needed. You just need to speak English well and be willing to engage with people. Listen and be responsive and  be frankly interested in the culture. My experience is, if I am interested in the answer, the other is willing to share. Grammar certainly isn’t important for that.

 MK: Thank you for the conversation!

Brenda teaching

Abflug nach 林 右 旗

Am 11. Juli 2014 ging es dann weiter. Das Orientierungscamp des Amity Summer English Program ist vorbei und wir machen uns auf den Weg gen Norden. Die letzten Tage haben wir im heißen, Smog geplagten Nanjing verbracht. Ich freue mich auf die Innere Mongolei:  25°C, blauer Himmel und stets eine leichte Brise um die Nase.

Abflug nach Balin Youqi

Mira-Kristin, Claudia und Brenda am Flughafen in Nanjing

Jeweils in dreier Gruppen verteilen sich alle internationalen Freiwilligen über das ganze Land. Wir sind drei Teilnehmende von AFS Interkulturelle Begegnungen aus Deutschland. Es gibt Gastschulen im Norden und Süden, im Westen und Osten:

  • Manzhouli 满 洲 里 ebenfalls in der Region Inneren Mongolei (an der Grenze zu Russland)
  • Suining  遂 宁 in der Region Sichuan
  • Xuyi 盱 眙 in der Region Jiangsu
  • Weifang 潍 坊 in der Region Shandong
  • Balin Youqi 林 右 旗 – das ist unser Ziel
  • Jingchuan 泾 川 in der Region Gansu
  • Yinchuan 银 川 in der Region Ningxia
  • Bengbu 蚌 埠 in der Region Anhui

Ein letztes Foto am Flughafen in Nanjing vor dem Abflug. Drei Flugstunden und zwei weitere Stunden Autofahrt liegen vor uns. Dann haben wir unsere Gastschule in Balin Youqi und fast eine neue Klimazone erreicht. China ist so unglaublich groß.

Freunde finden in Nanjing

I came as a stranger, and left with many friends

Gruppenfoto der Teilnehmer des Amity Summer English Progam 2014

 

Es waren vier intensive Tage in Nanjing: Geprägt vom Jetlag und getrieben von der Hitze haben wir das Beste draus gemacht und viel gelächelt. Augen zu und durch!

Vom 7. – 10. Juli 2014 fand in Nanjing unser On Arrival Camp statt: Insgesamt nahmen 24 Teilnehmende aus vier Ländern (Canada, AFS Deutschland, Great Britain, USA) am Amity Summer English Progam 2014 teil. Ich gehörte zu den jüngeren Teilnehmenden. Wir waren eine bunte Truppe zwischen 9 und 99 – oder so ähnlich. Lawrence aus England ist 20 Jahre alt und studiert Medizin in Manchester. Jan aus den USA meinte nur ganz trocken „Sweety, I am your grandmother’s older friend.“ Diese einmalige Mischung an Internationalität und Lebenserfahrung zeichnet das Programm in meinen  Augen aus: Wir haben auf vielen Ebenen voneinander profitiert und unsere Stärken geschickt kombiniert. Und das funktioniert anscheinend so gut, dass einige Teilnehmende bereits zum 16ten Mal (!) beim Amity Summer English Program dabei sind.

Inhaltlich wurden wir in diesen vier Tagen auf die Lehrsituation in unseren Gastschulen vorbereitet:

  • Einführung in drei Amity Lehrbücher
  • Best Practice: Was berichten unsere Vorgänger?
  • Do-s und Don’t-s: Was hat sich bewährt? Was sollten wir besser nicht ausprobieren?
  • Einführung in das chinesische Bildungssystem

Die Vorbereitung was umfassend und gleichzeitig nicht zu viel. Auch die Quer- und Neueinsteiger (mit und ohne vorherige Lehrerfahrung) fühlten sich am Ende sattelfest.

Unser kurzes Gastspiel in Nanjing war insgesamt positiv geprägt von den 30 Jahren Erfahrung in der Programmdurchführung auf die Amity zurecht mit Stolz zurückblicken kann. Betreuung super + Unterkunft super + Seminar super = Teilnehmende glücklich. Manchmal kann die Rechnung so einfach sein.

P.S. Nebenbei hat sich eine Gruppe von Nachtschwärmern gefunden, die tapfer die Spiele der Deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM 2014 in Basilien geschaut hat – von drei bis fünf Uhr nachts! Immerhin: Wir wurden mit dem historischen 7:1 GER vs. BRA für unsere durchwachten Nächte entschädigt. Und am nächsten Morgen stand plötzlich eine „7up“-Dose auf meinem Frühstücksplatz. Danke, Jay!

Ich bin wieder da!

„I am looking for someone to share in an adventure that I am arranging, and it’s very difficult to find anyone.“

„I should think so — in these parts! We are plain quiet folk and have no use for adventures. Nasty disturbing uncomfortable things! Make you late for dinner!“

Bilbo Baggins

Ich bin wieder da. Nach 29 Tagen in China ist mein Flugzeug am 5. August wieder sicher in Frankfurt gelandet. Es gibt viel zu berichten aus einem Land voller Überraschungen und voll wunderbarer Menschen: Wir haben Halloween gefeiert und Melonenköpfe geschnitzt, mit mongolischen Ringern gekämpft und Walzer getanzt.

Für mich ist die Reise mit AFS nun zuende – auf meinem Blog geht sie erst richtig los. Am Tag nach meiner Anreise in Nanjing habe ich die Internetzensur mit einem kleinen Trick erfolgreich umgehen können, bin jedoch nach meinem Umzug an die Schule in der Inneren Mongolei an einer leistungsschwachen Internetleitung gescheitert. Das war eine besonders frustrierende Erfahrung, denn es stand alle Handybesitzern um mich herum sogar ein fächendeckendes G4-Netz zur Verfügung.

Daher berichte ich euch erst jetzt im Rückblick von den vielen wunderbaren zwischenmenschlichen Begegnungen der vergangenen Wochen, von den chinesischen und internationalen Teilnehmenden und von rauschenden Festessen unter dem edlen Antlitz Dschinghis Khans.

Internetsperre für meinen Blog – und (k)eine Lösung

Dass ich mit dem Feuer spiele, wusste ich von Anfang an. Dieses Spiel habe ich jetzt sowohl verloren als auch gewonnen.

Als ich mich beim Blog-Provider WordPress angemeldet habe, war mir bewusst, dass einige Blogs in China nicht zugänglich sind. Welche davon jedoch betroffen sind, konnte ich nicht herausfinden. Eine Kollegin hat heute Nacht kommentiert: „Es sind alle Seiten blockiert, die das Wort Blog enthalten.“

Blogs sind das Medium für selbst geschriebene Inhalte im Internet. Blogs sind schnell eingerichtet und leicht zu bedienen. Diese Benutzerfreundlichkeit hat u.a. dazu beigetragen, dass Blogs, Facebook, YouTube, Twitter & Co. zu den tragenden Kommunikationskanälen des Arabischen Frühlings geworden sind. Nicht nur Erdogan versucht immer wieder diese Plattformen offline zu stellen, um somit unliebsame Veröffentlichungen zu unterdrücken. Offensichtlich misstraut auch die chinesische Regierung unregulierten Veröffentlichungen.

Die meisten sozialen Medien kann ich von meinem aktuellen Internetzugang aus nicht öffnen – und auch WordPress bleibt eine blanke Seite mit laufender Sanduhr. Aber wie so oft: Das Leben findet seinen Weg. WordPress.com ist blockiert, Auslandsblog.de hingegen funktierniert ohne Einschränkungen. Bingo! Daher ziehe ich einfach mit meinem Blog von der alten Adresse wantanplan.wordpress.com zur neuen Adresse wantanplan.auslandsblog.de um und hinterlasse eine Umleitung. Ich verliere zwar den Provider meiner Wahl, gewinne jedoch eine Geschichte und Aufmerksamkeit. Ich bin erst vor 24 Stunden gelandet, aber schon voll in China angekommen.

Abflug

Alles, was sich zu lange hinschleppt, ehe es zu etwas nur irgend Sichtbarem wird, verliert an Interesse.

Wilhelm von Humboldt

Los geht's! Vier Wochen Leben sind auf 20kg Gepäck reduziert. Wie schaffen das nur Jahresprogrammteilnehmende?

Los geht’s! Vier Wochen Leben sind auf 20kg Gepäck reduziert. Wie schaffen das nur Jahresprogrammteilnehmende?

Die Koffer sind gepackt, der letzte Kaffee ist getrunken und beim Friseur war ich auch noch einmal. Heute geht es endlich los. Das Warten hat ein Ende. Um 15 Uhr werde ich mit dem ersten Flieger von Hamburg nach Frankfurt am Main düsen, um dort die anderen beiden deutschen AFS Teilnehmenden zu treffen. Zusammen mit Claudia und Harald geht es dann um 18:25 Uhr per Direktflug weiter nach Nanjing in Ostchina. Wir landen am Montagvormittag um 11 Uhr Ortszeit.

In Nanjing erwarten mich gefühlte 32°C und 85% Luftfeuchtigkeit. Was mich sonst noch erwartet, weiß ich nicht so genau. Wir werden am Flughafen abgeholt und dann lasse ich mich einfach überraschen. No risk, no fun!

In Hamburg sagt man Tschüss! Das nächste Mal melde ich mich schon aus dem Fernen Osten.

 

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