Hasta la Visa, Baby!

Noch neun Tage bis zum Abflug.

Gestern war es soweit: Ich habe mein Visum aus dem Visa Application Service Center in Berlin abgeholt. Endlich halte ich es in der Hand. Jetzt kann es losgehen!

Und hübsch ist das Visum auch – es zeigt ein Bild der Chinesischen Mauer, auch Große Mauer genannt. Wie passend. Hier in Berlin gab es auch mal eine große Mauer. Daraufhin habe ich erst einmal nachgelesen, was diese Mauer für die Bevölkerung Chinas bedeutet (damals und heute) und wo sie genau verläuft.

Daumen hoch! Mit diesem Visum reise ich nach China.

Bingo! Eigentlich werde ich „ganz in der Nähe“ der Großen Mauer leben – das heißt nur ein paar 100 Kilometer nord-östlich entfernt. Insgesamt ist die Mauer über 21.000 Kilometer lang und umfasst mehr als 43.000 Einzelobjekte und Standort. Trotzdem kann man dieses Bauwerk wohl doch nicht von der ISS aus sehen, heißt es bei Wikipedia.

Schaffe ich es die Kilometer bis zur Mauer zu überwinden? Aus einer ethnozentrischen Perspektive spricht nichts dagegen… Ich bin ja quasi schon fast da. Falls ja, werde ich hier ein Beweisfoto posten. Ich bin gespannt, welche Geschichte sich daraus noch ergibt.

Chuzpe hilft

Zwischen den Stühlen sitzen – So fühlt es sich an, wenn ich versuche zwischen einer Nicht-Regierungsorganisation aus China und den Chinesischen Behörden in Deutschland zu vermitteln. Hin und Her – Her und Hin. Es gibt leichtere Aufgaben.

Ta Dah: Es hat geklappt! Ich halte den Abholschein für mein Visum in der Hand.

Beim ersten Anlauf wurde mein Visumsantrag abgelehnt. In den vielen Dokumenten fehlte noch die Arbeitserlaubnis. Gestern hat mir Amity ein neues Dokument geschickt. Damit bin ich kurzentschlossen und ohne Termin zum Visa Application Service Center geradelt und mit gespielter Selbstverständlichkeit hineinmarschiert. Das hat dann, sehr zu meinem Erstaunen, tatsächlich geklappt. Sollte dies ein gutes Omen sein? Vielleicht wird heute mein Antrag angenommen.

Die Sachbearbeiterin war auch heute wieder sehr freundlich. Sie hat mir höflich und mit leiser Stimme noch einmal ganz andere Schwachpunkte meiner Unterlagen aufgezeigt und wiederum andere Dokumente und Belege erbeten. Vielleicht war es der hilflose Ausdruck in meinen Augen – nach ein paar Momenten des Schweigens folge dann der Satz, den ich hören wollte: „Bitte setzten Sie gleich hier eine handschriftliche Erklärung zu den angesprochenen Punkte auf. Dann können Sie die Dokumente einreichen.“ Super!

Nicht ganz so super ist, dass ich mittlerweile besser tippen als schreiben kann. Und auch optisch hatte ich schon mal eine schönere Handschrift. Entsprechend langsam sind meine zwei Seiten Erklärung gewachsen. Inhaltlich haben sie jedoch überzeugt. Mein Antrag wurde angenommen und ich habe einen Abholschein für mein Visum erhalten.

Das happy end kam dann heute morgen per Telefon: Die Botschaft hat angerufen und mir mitgeteilt, dass ich mein Visum am 24. Juni abholen kann. Auf nach China! Yeah!

Was nehme ich nun aus dieser Erfahrung mit? Darüber werde ich noch ein wenig grübeln müssen…

Der Visumkrimi geht weiter

Glücksklee

Sie benötigen noch eine chinesische Arbeitserlaubnis.

Das sollte mein Tag werden. Eigentlich. Und dann kam doch alles anders. Jetzt sitze ich wieder auf heißen Kohlen und suche im Park nach einem vierblättrigen Kleeblatt. Denn: Ein bisschen Glück kann nicht schaden.

Heute mittag um 13:00 Uhr war es endlich soweit. Ich hatte einen Termin im Chinese Visa Application Service Center. Vor einigen Tagen sind meine Visumsunterlagen angekommen und ich konnte für heute Mittag einen Bearbeitungstermin beantragen.

Meine Checkliste:

  • Der rote Stempel ist da
  • Alle Dokumente, die mir zugeschickt wurden, sind ausgedruckt
  • Visumsantrag ausgefüllt
  • Mein Pass hat noch mehr als 6 Monate Laufzeit

Los geht’s! Rauf aufs Rad und ab quer durch die Stadt in Richtung Vier-Wochen-China.

Visum_gescheitert

Noch schnell ein Selfie als Beleg: Ich war hier.

Erstes Erfolgserlebnis: Im Application Center angekommen, konnte ich direkt an einen freien Schalter durchgehen. Meine Unterlagen wurden aufmerksam gelesen, gestempelt und geprüft. Die Servicekraft war ausgesprochen nett. Wir haben beide gelächelt. Aber dann kam der Satz, den ich nicht hören wollte: „Sie benötigen noch eine chinesische Arbeitserlaubnis.“ Eine… was?! Jetzt war mir nicht mehr zum Lächeln zumute. Sie lächelte immer noch.

Dies bringt mich zum Punkt, noch einmal zu sagen, was ich in China machen werden. Vom 6. Juli bis zum 4. August 2014 engagiere ich mich ehrenamtlich bei einer lokalen Nicht-Regierungsorganisation, The Amity Foundation, im Rahmen des Amity English Summer Program (SEP). „The SEP invites English speakers to volunteer in training Chinese teachers of English in less-developed parts of China“ heißt es auf der homepage. Mal schauen, ob auch ich eingeladen bin?

Ich bin also unverrichteter Dinge wieder nach Hause geradelt. Jetzt muss Amity aktiv werden und eine Arbeitserlaubnis aus dem Hut zaubern. Es bleiben noch 10 Tage um rechtzeitig das Visum beantragen zu können. Der Countdown läuft.

Immerhin haben heute Abend unsere Jungs Portugal mit 0:4 weggeputzt. Jetzt kann ich doch auch wieder ein wenig lächeln.

印章 – Richtiger Stempel, falsches Dokument

Roter Stempel

Das offizielle Einladungsschreiben für mein chinesisches Visum ist endlich da! Ich bin schon ein wenig nervös geworden. Noch 27 Tage bis zum Abflug. Langsam kommt Schwung in die ganze Sache.

Das Dokument sieht ziemlich offiziell und wichtig aus – und hat natürlich auch den obligatorischen roten Stempel drauf. Ohne roten Stempel scheinen Dokumente in China nur ein belangloses Stück Papier zu sein. Erst der Stempel hebt es aus der Papiermasse heraus und adelt es als Urkunde. Ich habe den Eindruck, als ob ein roter Stempel wichtiger ist als die Unterschrift des Entscheidungsträgers. Stempel bilden dabei jedoch nicht Namen ab, sondern stehen symbolisch für Familie, Organisation, Rang oder Namen. Der Wiedererkennungswert des einzelnen Namens ist weniger wichtig ist als die übergeordnete Symbolik und Gruppenzugehörigkeit.

Ich habe den Eindruck, dass sich in diesen kleinen roten Flecken ein Stück Chinesicher Kultur widerspiegelt. In sogenannten kollektivistischen Gesellschaften werden Menschen in Großfamilien oder andere Wir-Gruppen hineingeboren, die sie weiterhin schützen und im Gegenzug Loyalität erhalten. Das Individuum geht in der Gemeinschaft auf. Dokumente werden gestempelt. Kinder aus individualistisch geprägten Kulturen hingegen wachsen heran, um primär für sich selbst und ihre direkte (Kern-) Familie zu sorgen. Das Individuum tritt aus der Gemeinschaft heraus. Dokumente werden mit Namen unterschrieben.

Zurück zu meinem Visum: Der Stempel hat das Papier also zum echten Dokument gemacht. Leider steht trotzdem der falsche Name drauf. Ich habe Jills Einladungsschreiben erhalten. Also ist das Dokument doch wieder nur ein wertloses Stück Papier für mich. Das Warten geht weiter.